Kapstadt

Kapstadt ist nach Johannesburg und Durban die drittgrößte Stadt Südafrikas und die Hauptstadt der Provinz Westkap. Den Namen erhielt Kapstadt nach dem Kap der guten Hoffnung, das etwa 45 km südlicher liegt und eine Hauptgefahr auf dem Seeweg nach Indien darstellte. Kapstadt liegt am nördlichen Rand der Kaphalbinsel, besitzt einen der größten südafrikanischen Häfen und ist eines der wichtigsten Industriezentren des Landes.

Heute ist Kapstadt Sitz des Parlaments von Südafrika. Die Stadt ist weiterhin kulturelles Zentrum Südafrikas und bietet mit zwei Universitäten, diversen Forschungsinstituten, unzähligen Museen, Bibliotheken, Theatern, botanischen und zoologischen Gärten eine unbeschreibliche Vielfalt.

Der 1.086 Meter hohe Tafelberg ist das Wahrzeichen von Kapstadt und zu dessen Füßen liegt das Stadtzentrum. Der Tafelberg dominiert zusammen mit dem Signal Hill, dem Lion’s Head und dem Devils Peak das gesamte Stadtbild und macht die Skyline weltweit so unverwechselbar.

Die V&A Waterfront, der Bloubergstrand, das Viertel Bo-Kaap sowie natürlich das Kap der Guten Hoffnung sind beliebte touristische Highlights.

Die Stadt bietet abgesehen davon noch viele weitere Sehenswürdigkeiten sowie eine kulturelle Vielfalt, eine artenreiche Pflanzen- und Tiervielfalt und hat eine schöne abwechslungsreiche Umgebung.

Die Cedarberge im Norden, die Kaphalbinsel mit dem Kap der Guten Hoffnung im Süden, das Weinland östlich von Kapstadt und Overberg noch östlicher bieten jedem genug Abwechslung.

Südafrika liegt auf der Südhalbkugel und hat dadurch entgegengesetzte Jahreszeiten als auf der Nordhalbkugel. Wenn also bei uns in Deutschland tiefster Winter ist, herrschen am Kap hochsommerliche Temperaturen. In Kapstadt gibt es wegen des gemäßigten subtropischen Klimas allerdings keine extremen Wetterschwankungen. Es ähnelt dem Klima am Mittelmeer. In den Sommermonaten von Dezember bis März liegen die Temperaturen in Kapstadt und in der Küstennähe um die 26-28 Grad und nur selten über 35 Grad. Die Temperaturen sinken im Winter nur ganz selten unter 5 Grad, meist liegen die Tageshöchsttemperaturen zwischen 15 und 20 Grad.

Die Wassertemperaturen sind in Kapstadt generell sehr wechselhaft, relativ kalt und schwanken auch erheblich zwischen der Ost- und Westseite der Kaphalbinsel. Auf der Ostseite beträgt die Wassertemperatur oftmals um die 20 Grad, während die Temperatur auf der Westseite selten über 15 Grad liegt.

In Kapstadt und dem Western Cape spricht ein großer Teil der Bevölkerung Afrikaans und isiXhosa, aber im öffentlichen Leben ist Englisch schon längst die gängigste Sprache und nur in einigen abgelegen Regionen kann es vorkommen, dass man auf Südafrikaner trifft, die überwiegend wegen einer fehlenden Schulbildung oder aus Stolz zu ihrer Sprache nur ihre Muttersprache sprechen.

Das System der Apartheid hat tiefe Spuren in der südafrikanischen Gesellschaft hinterlassen. Auch 25 Jahre nach dem Ende der Apartheid kämpft Südafrika weiterhin mit Rassismus, Ungleichheit und Armut.

Die meisten Weißen erfreuen sich eines Lebensstandards, der sich mit den der höchsten Industrienationen der Welt vergleichen lässt. Das mittlere Haushaltseinkommen einer weißen Familie ist immer noch etwa elfmal so hoch als das einer schwarzen Familie. Ein Großteil der früher benachteiligten schwarzen Bevölkerungsmehrheit lebt weiterhin in Armut. Noch immer bleibt vielen Menschen der Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen wie Elektrizität, Wasser oder Krankenvorsorge verwehrt.

Wenngleich es mittlerweile auch verarmte Weiße gibt, so sind die Einkommensunterschiede zwischen Schwarz und Weiß so groß wie in kaum einem anderen Land der Welt. Während die Mehrheit der Schwarzen in ärmlichen Hütten in den Townships lebt und mit dem Notwendigsten auskommen muss, so lebt die Mehrheit der Weißen nach wie vor in beträchtlichem Luxus, abgeschottet durch Mauern und Alarmanlagen.

Mein Projekt

Ich werde ein Jahr lang einen weltwärts Freiwilligendienst in Kapstadt machen. Meine Einsatzstelle heißt Centre for Creative Education. Das Centre for Creative Education ist eine unabhängige, gemeinnützige, waldorfinspirierte Einrichtung mit Sitz in Kapstadt. Basierend auf den Grundsätzen der Pädagogik Rudolf Steiners möchte das Centre neue Bildungsmethoden und Vernetzungsmöglichkeiten für Südafrika aufzeigen. Zudem kooperiert das Centre in den Townships von Kapstadt mit mehreren Kindergärten und einer Schule, um den Kindern dieser Siedlungen einen Ort anzubieten, in denen sie unbeschwert Kind sein können.

Das Centre hat über 30 hauptamtliche und 6 ehrenamtliche Mitarbeiter und ca. 200 Studenten. Mit den Township-Kindergärten und der Schule werden ca. 1000-2000 Kinder erreicht. In den Kindergärten wird größtenteils kein Englisch gesprochen, sondern Xhosa.

Jedes Jahr werden 33 Freiwillige gesucht, die das Centre unterstützen. Dieses Jahr wird es 30 Freiwillige geben, von denen 25 in verschiedenen Kindergärten arbeiten und nur 5 in einer Schule. Die 30 Freiwilligen wohnen in WGs an unterschiedlichen Orten in der Nähe von Kapstadt, wie z.B. Muizenberg, Fish Hoek, Southfield und Stellenbosch. Ich werde gemeinsam mit 6 anderen Freiwilligen in Stellenbosch leben, einem Ort, der ca. 50 km von Kapstadt und 25 km von Khayelitsha entfernt ist. Ich habe das Glück, eine der wenigen zu sein, die in der Schule arbeiten wird.

Die Zenezeleni Schule wurde 1999 gegründet und ist die erste und einzige Waldorfschule in Khayelitsha, einem der größten Townships Südafrikas. Khayelitsha entstand in den 1950er Jahren zur Zeit der Apartheid. Damals war es der schwarzen Bevölkerung verboten, in südafrikanischen Städten zu leben. Nach dem Ende der Apartheid wuchs Khayelitsha weiter, denn viele Familien ließen sich hier in einer Hoffnung nieder, in Kapstadt Arbeit zu finden. Doch die Arbeitslosigkeit in dem Township wird auf über 75 Prozent geschätzt. In der Zenzeleni Schule wird den Kindern ein ausgeglichenes und harmonisches Schulumfeld geboten, was für diese Kinder von großer Bedeutung ist, da sie in einer von Armut, Gewalt und Bedrohung geprägten Umgebung aufwachsen.

Heute besuchen 275 Schüler/innen die Zenzeleni School, von der Vorschule bis zur 7. Klasse. Schließen die Schüler/innen die 7.Klasse erfolgreich ab, haben sie die Möglichkeit, die Bildung an höheren Schulen fortzusetzen.

Neben Xhosa, Mathematik, Englisch und weiteren grundlegenden Fächern, legt die Zenzeleni School großen Wert auf Musik, Kunst und Handarbeit.

In dieser Schule werde ich ein Jahr lang arbeiten, den Unterricht mitgestalten, Projekte durchführen, versuchen, den Schülern zu helfen und die Lehrer bei der Betreuung der Kinder zu unterstützen.

Meine Entsendeorganisation

Meine Entsendeorganisation heißt „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e. V.“, kurz auch „Freunde der Erziehungskunst“ oder einfach nur „Freunde“. Die Freunde sind ein 1971 gegründeter gemeinnütziger Verein und seit 1993 Träger für internationale Freiwilligendienste. Der Verein fördert und unterstützt weltweit Einrichtungen, die auf Grundlage der Waldorfpädagogik arbeiten. Die Arbeit der Freunde unterteilt sich in verschiedene Arbeitsbereiche, welche jedoch alle in Zusammenhang und im Dienst der Waldorfpädagogik stehen.

Als eine der größten deutschen Trägerorganisation für Freiwilligendienste weltweit vermitteln die Freunde ca. 1700 Freiwillige pro Jahr ins In- und Ausland. Außerdem ermöglichen sie auch internationalen Freiwilligen ein soziales Jahr in Deutschland. Die Abteilung Notfallpädagogik der Freunde leistet seit 2006 internationale Kriegs- und Katastrophenhilfe für traumatisierte Kinder und Jugendliche.

Das Ziel der Freunde ist es, den Austausch und die Verständigung zwischen verschiedenen Kulturen zu fördern, die Projekte vor Ort zu unterstützen und die Freiwilligen in ihrer persönlichen Entwicklung und ihrem sozialen sowie gesellschaftspolitischen Engagement zu stärken.

Die Freunde der Erziehungskunst unterstützen Waldorfschulen, Waldorfkindergärten und anthroposophische heilpädagogische Einrichtungen weltweit mit Spenden, aber auch mit Rat, Netzwerkbildung, Mentoren etc. Der Verein verfügt nicht über eigenes Kapital, ist also keine Stiftung, sondern bekommt Spenden und Zuwendungen von vielen Einzelspendern, Waldorfschulen, anderen Einrichtungen und mit ihm zusammenarbeitenden Stiftungen, die er jeweils im Sinne der Spender verwendet.

Alle Freiwilligen, die von den Freunden vermittelt werden, arbeiten in waldorfpädagogischen und anthroposophisch orientierten Einrichtungen: Schulen, Kindergärten, Projekten der Sozialarbeit, heilpädagogischen Einrichtungen, Lebensgemeinschaften mit Menschen mit erhöhtem Förderbedarf und in der biodynamischen Landwirtschaft.

Ich kann jedem, der einen Freiwilligendienst (ob im In- oder im Ausland) in Erwägung zieht, die Freunde empfehlen. Ein entscheidender Punkt, weshalb ich diese Organisation gewählt habe, ist, dass es unzählig viele Einsatzstellen gibt und man sich für seine Favoriten einfach direkt bewerben kann, das heißt, man kann sich den Ort, an dem man ein Jahr leben wird und die Einsatzstelle, für die man ein Jahr arbeiten wird, quasi frei aussuchen. Bei den meisten Organisationen ist es nämlich so, dass man nur Wunschländer angeben kann und man Angaben machen kann, in welchem Bereich man arbeiten will, aber sich sein Projekt nicht komplett selbst aussuchen kann. Die Freunde entsenden in 70 unterschiedliche Länder rund um den Kontinent verteilt. Was außerdem erwähnenswert ist, ist, dass es keine Bewerbungsfristen gibt, was auch sehr von Vorteil ist. Ein Paar meiner Mitfreiwilligen haben sich erst im Sommer, wenige Monate vor der Ausreise beworben. Ich habe mich während meiner Vorbereitungen für das Auslandsjahr von den Freunden gut unterstützt gefühlt, weil man die Freunde immer erreichen kann und man immer eine Antwort auf seine Fragen bekommt. Außerdem ist alles sehr gut organisiert, man bekommt alle Unterlagen zur Vorbereitung rechtzeitig zugeschickt, die Freunde kümmern sich um wirklich Vieles, aber natürlich muss man manche Sachen auch selbst erledigen.

Über Mich

Mein Name ist Sabrina Roth, ich bin 19 Jahre alt und habe dieses Jahr mein Abi gemacht. Ich wusste schon lange, dass ich nach dem Abi was ganz Neues machen will. Also habe ich mich ein bisschen informiert und schnell stand für mich fest, dass ein Freiwilligendienst im Ausland genau das Richtige für mich ist. Ich finde, dadurch kann man ein neues Land von einer ganz anderen Seite kennenlernen, weil man viel näher an den Menschen dran ist und eine Bindung zu ihnen aufbauen kann. Außerdem finde ich es auch besser, ein Jahr am gleichen Ort zu wohnen als verschiedene Orte zu bereisen, denn dadurch kann man einen Ort sehr intensiv kennenlernen, während man beim Reisen meist nur die oberflächlichsten Dinge sieht.

Südafrika hat es geschafft, sich von einem Schwellenland zu einem sehr wohlhabenden Industriestaat zu entwickeln. Es zählt zur größten Wirtschaftsmacht Afrikas. Trotz allem steht Südafrika weiterhin vor dem Problem der sozialen Ungerechtigkeit und der immer noch hohen Kriminalitätsrate. Diese Gegensätze und natürlich auch die schöne Landschaft sowie die Tier- und Pflanzenvielfalt machen das Land so interessant und das ist auch der Grund, warum ich mich dafür entschieden habe, ein Jahr dort zu verbringen.

Ich bin sehr gespannt, ein Jahr in einem komplett anderen Land zu leben. Ich denke, es wird sehr bereichernd und aufregend sein, trotzdem glaube ich, dass es nicht immer leicht sein wird, aber Herausforderungen im Leben zu haben ist wichtig, um über sich selbst hinauszuwachsen und sich weiterzuentwickeln.

Ich freue mich sehr, auf das was kommen wird, auf das Zusammenleben mit neuen Menschen, auf die Arbeit mit den Kindern einer ganz anderen Kultur, auf das Sammeln ganz vieler neuer Erfahrungen und auf das Entdecken vom schönen Südafrika. In diesem Blog möchte ich meine Erlebnisse und Erfahrungen während dieses Jahres teilen und euch mit auf meine Reise nehmen. Ich freue mich auf interessierte Leser! 🙂