Mein Arbeitsalltag

Wie versprochen möchte ich jetzt auch mal ein bisschen was über meinen Arbeitsalltag erzählen.

Wir fahren immer zwischen 7:15 und 7:30 zur Arbeit. Die Fahrt zur Arbeit dauert je nach Verkehr ca. eine halbe Stunde. Um 8:00 fängt dann die Schule an.

Ich bin in der 2. Klasse und die Kinder sind einerseits total lieb und süß aber manchmal auch sehr anstrengend. Manche von ihnen sind sehr anhänglich und suchen meine Nähe und umarmen mich wenn sie mich sehen, manche sind aber auch ziemlich zurückhaltend und ruhig. Aus irgendeinem Grund finden die Kinder meine Haare, meine Haut, meine Ohrringe und meine Armbänder toll, sodass sie die ganze Zeit damit spielen wollen.

Die Zenzeleni School liegt im Township Khayelitsha. Die meisten Einwohner Khayelitshas sprechen isiXhosa.

Die Muttersprache der Kinder ist ebenfalls isiXhosa und das wird auch bei den Lehrern untereinander gesprochen. Da Englisch aber eine Amtssprache in Südafrika ist, lernen die Kinder dies schon sehr früh. Die Kinder können wirklich schon sehr gut Englisch sprechen. Ich konnte damals in der 2. Klasse gerade mal ein paar Tiere oder Farben auf Englisch, während die Kinder hier eigentlich alles was ich sage verstehen und auch richtige Sätze bilden können. Ich bin wirklich froh darüber, denn wenn man miteinander kommunizieren kann, kann man auch eine viel bessere Bindung aufbauen.

Die meisten meiner Mitfreiwilligen arbeiten in Kindergärten und dort können vor allem die ganz kleinen Kinder noch kein Englisch, sodass sie nicht wirklich mit ihnen kommunizieren können.

Ich selber unterrichte nicht, ich bin eher so etwas wie eine Hilfe für die Lehrerin.

Während ich in den ersten Tagen nur Blätter und Stifte für die Kinder ausgeteilt und Kopien für die Lehrerin gemacht habe, was nicht so spektakulär war und ich Angst hatte, dass ich immer so wenig zu tun hätte, habe ich gemerkt, dass ich im Laufe der Zeit immer mehr Aufgaben bekommen habe, sodass es mir jetzt eigentlich nie langweilig ist und ich mich auch gebraucht fühle. Es kommt auch immer auf den Tag an, mal gibt es viel zu tun, mal eher weniger. Was bis jetzt so zu meinen Aufgaben gehört sind wie gesagt Kopien machen und Dinge austeilen sowie einsammeln, aber auch Tafelbilder und Infoblätter erstellen, Klassenarbeiten bzw Tests korrigieren und die Punkte in die Klassenliste eintragen, den Kindern helfen, wenn sie Aufgaben machen und ihnen Sachen erklären, Klassenarbeiten abtippen, Geschichten vorlesen oder Aufgaben an die Tafel schreiben. Es kommen aber fast jeden Tag neue Aufgaben dazu und ich mache auch nicht jeden Tag das Gleiche.

Die Pause ist immer von 10:00 bis 10:30 Uhr und da treffe ich meistens meine Mitfreiwilligen, die auch in der Schule arbeiten. Oft kommen die Kinder aber auch einfach her und wollen mit mir spielen oder reden und das finde ich auch immer sehr schön.

Die Zenzeleni School ist eine Grundschule und die ältesten Kinder sind in der 7. Klasse, da die Grundschule in Südafrika bis zur 7. Klasse geht. Ich habe auch schon öfters mit den Siebtklässlern geredet. Die meisten sehen viel älter aus als ihr Alter und sind auch sehr reif für ihr Alter. Die Siebtklässler mit denen ich mich unterhalten habe, konnten alle auch fließend Englisch, was ich irgendwie beeindruckend finde.

Um 10:30 endet die Pause und der Unterricht geht weiter. Oft ist es aber auch so, dass die Lehrerin die Kinder später in die Pause schickt und der Unterricht dann auch später wieder beginnt.

Wenn die Kinder Unterricht auf isiXhosa haben verstehe ich leider gar nichts, das ist dann manchmal ein bisschen langweilig, aber die Kinder haben auch viel Englisch Unterricht. Mathe zum Beispiel wird meistens auf Englisch unterrichtet. Außerdem haben die älteren Kinder beispielsweise Geschichte oder Naturwissenschaften auf Englisch. Das ist mir beim Abtippen der Klassenarbeiten aufgefallen.

Um 12:30 ist für viele Kinder die Schule aus, für mich aber nicht. Ich habe bis 13 Uhr Mittagspause und montags und donnerstags habe ich dann ab 13 Uhr „Extra Lessons“ in Mathe, das heißt ich mache mit 4 Kindern der 3. Klasse Aufgaben. Ich hätte nie gedacht, dass 4 Kinder auf einmal so anstrengend sein können. Die Kinder verstehen zwar eigentlich alles, was ich sage, weil sie ja schon gut Englisch können, aber hören tun sie nicht wirklich auf mich. Manchmal reden alle durcheinander und ich muss mehrmals das Gleiche sagen, bis sie mal das tun, was ich möchte und wenn ich ihnen sage, dass sie leise sein sollen, sind sie vielleicht kurz leise, aber nach einer Weile geht es wieder los. Deswegen habe ich größten Respekt vor den Lehrern, da die Klassen hier sehr groß sind. In meiner Klasse sind beispielsweise 37 Kinder, es gibt aber auch Klassen, in denen über 40 Kinder sind.

Mittwochs ist „After Care“, da mache ich zusammen mit einer anderen Freiwilligen Armbänder mit ein paar Kindern. Das ist einerseits echt schön, wenn man sieht wie die Kinder sich freuen, wenn ihr Armband fertig ist, andererseits aber auch anstrengend, weil man manchen Kindern alles 10 mal erklären muss und manchmal alle durcheinander reden.

Dienstags und freitags habe ich Office Work, das heißt ich helfe ein bisschen im Büro mit. Da gibt es eigentlich immer was zu tun, zum Beispiel die Noten der Kinder in eine Exceltabelle eintragen oder Klassenarbeiten abtippen.

Dienstags und donnerstags haben wir um 14:45 Uhr aus, am Freitag um 14:00 Uhr und montags und mittwochs gehen wir meistens um 14:30 von der Schule los, weil wir dann noch zum Centre fahren müssen. Montags haben wir dort nämlich isiXhosa Unterricht und mittwochs Craft. IsiXhosa wird wie gesagt hauptsächlich in den Townships gesprochen und es ist auch die Muttersprache der Kinder in meiner Schule. Es ist deshalb schon irgendwo sinnvoll, es zu lernen, auf der anderen Seite können die Kinder in meiner Schule alle Englisch, sodass ich ganz gut mit ihnen kommunizieren kann und isiXhosa ist eine echt schwere Sprache. Um das richtig zu lernen, sodass man es wirklich verstehen und auch sprechen könnte, bräuchte man schon mehr als eine Stunde die Woche Unterricht.

Craft geht immer 1,5 Stunden und dort nähen wir Spielzeuge für die Kinder.

Eigentlich habe ich mich ganz gut an alles gewohnt. Ich weiß jetzt wo alle Räume sind, kenne die meisten Lehrer und ich kann jetzt sogar schon alle Namen der Kinder in meiner Klasse. Es war aber echt nicht so einfach die Namen zu lernen, da in meiner Klasse wie gesagt 37 Kinder sind und die Kinder nicht so einfache Namen wie Anna oder Leon haben, sondern Namen die man teilweise kaum aussprechen kann und die man noch nie zuvor gehört hat, wie zum Beispiel Imanginkosi oder Mbalentle.

Letzten Freitag war das Farewell der Siebtklässler, also eine Art Abschlussfeier, da die Siebtklässler nach den Sommerferien auf eine andere Schule gehen. Es wurde gesungen und Reden wurden gehalten. Am Tag zuvor haben wir geholfen, alles aufzubauen und zu dekorieren.

Die Sommerferien sind hier von Dezember bis Januar und danach fängt für die Kinder das nächste Schuljahr an, meine Kinder kommen also dann in die 3. Klasse. Die Kinder sind mir in der kurzen Zeit schon echt ans Herz gewachsen, weshalb ich hoffe, dass ich weiterhin in der gleichen Klasse bleiben kann.

Ich bin mal gespannt, was weiterhin so in der Schule passieren wird. Bis bald!

Der Garten
Hier können die Kinder spielen
Das Klassenzimmer meiner Klasse
Das Office
Der Eurythmy Room
Das Centre, wo wir isiXhosa Unterricht und Craft haben

Erste Eindrücke

Jetzt bin ich schon fast 4 Wochen hier und hab mich eigentlich schon relativ gut eingelebt. Die Arbeit in der Schule mit den Kindern macht mir eigentlich ziemlich viel Spaß, aber darüber möchte ich in einem anderen Beitrag erzählen.

Jetzt erzähle ich erstmal, was wir bis jetzt so alles gesehen und erlebt haben.

Bis jetzt war das Wetter ziemlich schön. Vor allem in der ersten Woche war es sehr warm, dann war es ab und zu auch mal etwas kälter und bewölkt aber insgesamt ist das Wetter echt gut, der Sommer fängt ja jetzt auch so langsam in Südafrika an.

Den ersten Strand den ich hier in Südafrika gesehen habe ist Camps Bay. Der Strand ist wirklich sehr schön, vor allem weil man eine gute Sicht auf die 12 Apostel und den Lion’s Head hat. Das einzige was etwas blöd ist, ist, dass das Wasser dort sehr kalt ist. Es tat zwar gut, sich abzukühlen nachdem man eine Weile in der Sonne gelegen ist, aber man kann nicht lange im Wasser bleiben, weil erstens die Wellen viel zu hoch sind, um richtig zu schwimmen und es zweitens nach einer Weile einfach viel zu kalt ist. Der Sonnenuntergang am Abend war dafür aber wunderschön.

Ein weiterer Strand an dem wir jetzt schon mehrmals waren ist Muizenberg. Im Vergleich zu Camps Bay ist das Wasser dort echt angenehm und außerdem sind die Wellen dort etwas niedriger, sodass man besser schwimmen kann.

Am Freitag haben wir einen kleinen Roadtrip gemacht und sind über den Chapman’s Peak Drive zum Strand in Noordhoek gefahren, welcher auch sehr schön ist.

Außerdem waren wir im Fußballstadion. Der Eintritt hat grade mal 60 Rand gekostet, das sind nicht mal 4 Euro!!!

Allgemein kann man sagen, dass Eintritte beispielsweise auch in Clubs oder Kinos, das Benzin und Essen gehen in Restaurants günstiger ist als in Deutschland, aber die Lebensmittel im Supermarkt sind eigentlich fast gleich teuer.

Am Anfang hatte ich nicht wirklich Lust ins Fußballstadion zu gehen, weil ich eigentlich kein großer Fußballfan bin, aber im Nachhinein bin ich froh, dass ich mitgegangen bin, weil die Stimmung einfach so krass war und wenn man schon in Südafrika ist, sollte man auch einmal im WM-Stadion gewesen sein.

Am Samstag ist Südafrika Rugby Weltmeister geworden und alle haben sich riesig gefreut. Überall auf den Straßen wurde gefeiert und gehupt.

Auf den Lions Head sind wir auch gewandert, was ziemlich anstrengend war. Der Weg hoch war echt steil und teilweise schwierig und es war kaum irgendwo abgesichert, sodass man am Ende froh war, heil angekommen zu sein. Aber die Anstrengung hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn die Sicht war mega. Man hatte einen Überblick über die ganze Stadt und eine krasse Sicht auf den Tafelberg und den Signal Hill. Da habe ich erst gemerkt, wie groß die Stadt wirklich ist. Leider war es ein bisschen bewölkt, sonst wäre es bestimmt noch viel schöner gewesen. Als wir dann wieder runtergelaufen sind wurde es langsam dunkel und die Stadt im Dunkeln sah von oben sehr beeindruckend aus.

Letzte Woche waren wir bei „Indibano Ekasi“, ein Event, welches der Kunstlehrer der Zenzeleni School organisiert hat. Dort gab es südafrikanisches Essen, Künstler haben ihre Kunstwerke ausgestellt und Sänger ihre Musik vorgespielt. Es war ziemlich cool, weil man so auch ein bisschen mit der Kultur in Berührung gekommen ist. Das südafrikanische Essen finde ich sehr lecker. Das, was ich bis jetzt gegessen habe, war immer ziemlich gut gewürzt. Chakalaka zum Beispiel ist eine Art Sauce, die aus verschiedenem Gemüse, wie zum Beispiel Tomaten, Karotten und Bohnen besteht und mit Curry oder anderem Gemürz gewürzt ist.

Vetkoek ist auch sehr lecker. Das ist eine Art Brötchen bestehend aus Teig, der frittiert wird, vergleichbar mit Fasnetsküchle, wem das etwas sagt. Vetkoek schmeckt ohne Füllung auch gut, es gibt aber auch Vetkoek Burger mit Fleisch und Sauce.

Wir wohnen in Jamestown, das ist ein Vorort von Stellenbosch. Zum Zentrum nach Stellenbosch sind es nur ca 5 km und mit dem Auto sind wir daher sehr schnell dort. Stellenbosch ist eine echt schöne Stadt. Obwohl die Stadt eigentlich nicht viele Einwohner hat (ca 20000) gibt es dort alles, was man so braucht. Es gibt sehr viele Restaurants, wo man billig essen gehen kann, Cafés, eine Shopping Mall und allgemein sehr viele schöne Läden zum shoppen. Es gibt sogar eine Universität, weshalb die Mehrzahl der Einwohner Studenten sind. Viele Häuser sind im kapholländischen oder viktorianischen Stil. Wenn man durch Stellenbosch läuft, kommt es einem deshalb gar nicht so vor, als wäre man in Afrika.

Wir waren auch im botanischen Garten in Stellenbosch. Das ist auf jeden Fall lohnenswert, zumal der Eintritt nur 1€ kostet und es so viele schöne Pflanzen zu sehen gibt. Es gibt viele Bänke und schattige Plätze, eine Vielzahl an Pflanzen und sogar einen Café und ein Restaurant sowie einen Shop.

Außerdem haben sich die Leute aus unserer Wg alle im Fitnessstudio in Stellenbosch angemeldet. Das ist ca 10 Minuten von uns mit dem Auto entfernt und es tut ziemlich gut nach der Arbeit zusammen mit den anderen ein bisschen Sport zu machen.

Wie ihr seht, haben wir schon einiges erlebt und gesehen.

Das Einzige, was ein bisschen nervig ist, ist, dass die Strecke von unserem Haus zum Zentrum in Kapstadt fast 55 km beträgt und wir dann immer fast eine Stunde unterwegs sind. Zwar ist das Benzin nicht ganz so teuer, aber ich bin schon ein bisschen neidisch auf die anderen Freiwilligen von uns, die direkt in Kapstadt bzw. direkt am Meer wohnen.